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INHALT "K-ZUG"  
   
 

KATASTROPHENZÜGE DER DR

 
 
DIE K-ZUG-STAMMFAHRZEUGE
KÜCHENWAGEN
(Großküche für 300 Essensportionen)
 
In den Laz-Zügen des WK2 verwendete man vorwiegend Gepäckwagen der Bauart Pw4i bzw. Pw4ü als Spenderfahrzeuge für Küchenwagen. Für die erste Generation der K-Züge blieb man Pw4ü-28 aus der zweiten Generation von DRG-Packwagen in Stahlbauweise bei 4-achsigen Packwagen als Spenderfahrzeuge.
Ein Foto eines Küchenwagens auf Basis eines Altbau-Packwagens der Bauart Pw4Ü-28 steht mir leider nicht zur Verfügung. Und ich habe auch keine Fotos "normaler" Pw4ü-28 in meinem Bildbestand, für die ich die entsprechenden Rechte für die Veröffentlichung habe
Leider liegen mir keine genauen Angaben darüber vor, welche Umbauten an den Pw4ü im Rahmen des Umbaus zum Küchenwagen vorgenommen wurden. Fest steht, dass die Zugführerkanzel auf dem Dach entfernt wurde. Darüber hinaus ist anzunehmen, dass ein Teil der 4 am Pw4ü vorhandenen Laderaum-Schiebetüren fest verschlossen wurde.
Es ist anzunehmen, dass für die K-Zug-Küchenwagen auf noch vorhandene (abgestellte) ehemalige Küchenwagen aus dem Lazarettzug-Bestand des 2. Weltkrieges zurück gegriffen wurde. Leider ist mir zum Thema "Lazarettzüge der Wehrmacht" keinerlei verfügbare Literatur bekannt, die darüber Aufschluss geben könnte, ob für die Küchenwagen der K-Züge die Konzeption der Küchenwagen der Laz-Züge übernommen oder völlig neu konzipiert wurde.
 
Der Altbau-Küchenwagen gliederte sich in folgende Bereiche:
* Heizraum mit 2 Niederdruckdampfkessel
* Kochraum mit 4 dampfbeheizte Kochkessel >>> 2x 300 Liter / 2x 150Liter, 1 Küchenherd (zur Bereitung von Diätgerichten), 2 Destillationsgeräte mit Holzkohlefeuerung zur Trinkwasseraufbereitung, 2 aluminiumbeschlagende Arbeitstische
* Abwaschküche
* Zuputzraum mit Arbeitstischen, Kartoffelschälmaschine, Küchenmaschine
* Abstellraum (für hochwertige Lebensmittel) mit Großkühlschrank
Im Dachbereich des Kochraumes befanden sich 2 große Wasserbehälter mit einem Volumen von insgesamt ca. 3 Kubikmetern.
Die Kapazität der Küche lag bei 900 Eintopfportionen bzw. 300 Poritionen bei Zweitopfgerichten pro Mahlzeit zuzüglich von 50 Diätessen.
 
Die Ablösung der Altbau-Küchenwagen erfolgte zeitgleich mit den Maschinenwagen. Deshalb gilt hier sinngemäß all das, was schon zu den Maschinenwagen (Neubau) ausgeführt wurde. Allerdings ist der Aufwand, der bei der Ertüchtigung der serienmäßigen Bghw-/BDghws-Wagenkästen erforderliche Aufwand erheblich größer. Zeitgleich mit dem zugehörigen Maschinenwagen wurde der erste Neubau-Küchenwagen am 07.12.1974 für den Seddiner K-2 als Nullserienfahrzeug in Dienst gestellt. Die Auslieferung und Indienststellung der anderen Küchenwagen erfolgte im Jahr 1976 jeweils gemeinsam mit dem zugehörigen Maschinenwagen, zunächst als Ersatz für die Altbauwagen der K-1 bis K-10 und anschließend für die neu in Dienst zu stellenden K11 bis K-14.
Alle 14 Küchenwagen waren Neubauten des RAW Halberstadt.
 
Küchenwagen des ehemaligen K-14 im April 2009 in Salzwedel.
     
  Technische Daten:
Fahrzeugumgrenzung I, Festigkeit des Wagenkastens nach UIC567
Vmax (lauf- und bremstechnisch) 120 / 120 km/h
Leergewicht 37,5t
Betriebsgewicht 42t

 
     
  Aufgrund des hohen Betriebsgewichtes von 42 Tonnen gegenüber 30 Tonnen eines normalen Bghw-Reisezugwagens sind am Wagenkasten eine Vielzahl von Verstärkungen zur Lastaufnahme und Kräfteweiterleitung im Wagenkastengerippe eingebaut worden. Die Drehgestelle sind ebenfalls verstärkt und dürfen nicht gegen die beim Bghw-Reisezugwagen serienmäßigen Görlitz-V-Drehgestelle getauscht werden. Eine Lichtmaschine ist wie an den anderen Bghw-K-Zug-Stammfahrzeugen nicht vorhanden.  
     
  Wegen der "Stehend-Arbeitsplätze" im Küchenbereich haben die Seitenfenster des Bghw-Küchenwagens gegenüber dem Bghw-Sitzwagen eine geringere Höhe (analog der Fenster im Küchenbereich der aus dem Bghw entwickelten Speisewagen.
Abweichend vom BDghws-Wagenkasten wurde eine seitliche Ladetür (die linke in Richtung Handbremsende) zugesetzt und die rechte um ein Fensterfeld zur Wagenmitte hin in Richtung Handbremsende versetzt. Der am Handbremsende rechte Einstieg wurde verschlossen - in diesem Bereich wurde der Verdichter für die Kühlzellen eingebaut.
 
     
 
Beginnend am Nichthandbremsende besitzt der Küchenwagen folgende Raumaufteilung
Einstiegsraum Nichthandbremsende
Kesselraum mit Niederdruckdampfkessel und Kohlebunker
Spülraum
Kochraum mit 3 Niederdruck-Dampfkochkesseln und 1 elektrischen Kochherd
Gemüseputzraum mit Anrichte und Kühlraum und Kühlraum
Einstiegsraum Handbremsende mit Kälteverdichter und Schaltschrank (Ausstieg nur links).

Küchenwagen besitzen keine Toilette.

 
     
 
 
     
 
 
     
  Im Spülraum befinden sich:
eine 3-teilige Gastro-Spüle
eine 2-teilige Gastro-Spüle
ein über die Dampfheizung beheizbarer Trockenschrank
 
     
 
 
 
Spülraum im 99-32 761-0 des K-14
 
     
  Im Kochraum befindet sich folgende Ausstattung:
2 dampfbetriebene Speisekochkessel 300 Liter Typ 1040
1 dampf- oder elektrisch betriebener Speisekochkessel 300 Liter Typ 1360
1 elektrischer Blockherd mit 6 Kochplatten
Geschränk zur Unterbringung von Geschirr und Küchengeräten.
Der Kochraum wird durch elektrisch angetriebene Dachlüfter belüftet.
 
     
 
 
 
Kochraum - Blick in Richtung Gemüseputzraum
 
     
 
 
 
Kochraum - Blick in Richtung Spülraum
 
     
 
 
 
Dachlüfter im Kochraum
 
     
  Zum Ausstattung des Gemüseputzraumes gehören:
1 Arbeitsplatte, 1 Anrichte
Schälmaschine UWS300
Hochleistungs-Küchenmaschine
Butterproportioniermaschine
Kühleinrichtung
 
     
 
 
 
Gemüseputzraum - Blick in Richtung Kühlzellen (rechts). Hinter der Tür befindet sich rechts die Kälteverdichteranlage.
 
 
 
 
 
 
Gemüseputzraum - Blick in Richtung Kochraum.
 
     
 
 
 
Kühlzelle.
 
     
  Wegen der Notwendigkeit, in den Wagenkästen der Küchenwagen in verschiedenen Tanks einen großen Wasservorrat unterzubringen, waren an den Bghw-Wagenkästen erhebliche Veränderungen an der Statik erforderlich. Überhaupt waren die Küchenwagen DIE Schwergewichte unter den K-Zug-Fahrzeugen. Aufgrund des im Küchenbetrieb hohen Wasserbedarfs besitzt der Küchenwagen eine aufwändige Wasseranlage:
Die Trinkwasseranlage besteht aus insgesamt 8 Wasserbehältern mit einem Gesamtfassungsvermögen von 5000 Litern.
Im Kochraum befinden sich im Dachbereich 2 Behälter: ein 515 Liter fassender Kaltwasserbehälter und ein ebenso großer Heißwasserbehälter (Beide Behälter im Dachbereich). Beide Behälter sind drucklose Vorratsbehälter und dienen als Zulauf zu den Zapfstellen im Küchenwagen. Der Ausfluss des Wassers aus den Zapfeinrichtungen wird ausschließlich durch das natürliche Gefälle erreicht.
Im Gemüseputzraum befinden sich insgesamt 6 Kaltwasservorratsbehälter, aufgebaut als Wasserkästen auf dem Wagenboden und rechts (mit 3 x 775 Liter rechts in Blickrichtung HBrE) und links (mit 3 x 580 Liter Wasserinhalt links in Blickrichtung HBrE) an der Seitenwand angeordnet.Der Wasserstand dieser 6 Behälter wird über Verbindungsleitungen permanent ausgeglichen.
Aus den Behältern im Gemüseputzraum wird mittels einer E-Pumpe der im Dachbereich des Spülraumes befindliche Kaltwasserbehälter mit 515 Litern Wasserinhalt gespeist. Für den Fall der Nichtverfügbarkeit der E-Pumpe steht eine Handpumpe zur Verfügung. Von diesem gibt es ein elektrisches Überströmventil zu ebenfalls im Dachbereich des Spülraumes angebrachten und mit einer dampfdurchströmten Heizschlange versehenen Heißwasserbehälter, wobei sich bei geöffneten Ventil ein Wasserstandsausgleich zwischen diesen beiden Wasserbehältern im Spülraum einstellt.
Bei Frostgefahr und abgestellter Heizung im Küchenwagen muss das gesamte Wasservorrats- und Verteilungssystem entleert werden.
 
     
 
 
 
 
 
Wasserhochbehälter im Kochraum
 
     
  Nachfüllt wird Frischwasser über einen C-Schlauch-Anschluss seitlich am Wagen. Direkt befüllt werden damit der Kaltwasserkasten im Kochraum sowie die 6 Vorratsbehälter im Gemüseputzraum. Aus einem UIC-Anschluss kann Wasser mittels eines mitgeführten Passstückes "UIC - C" übernommen werden.
Die Übernahme von Oberflächenwasser anstelle von Trinkwasser aus einem stationären Leitungssystem ist unter Zugabe von Wasserentkeimungsmittel möglich. Das Wasserentkeimungsmittel wird dabei beim Füllen der Behälter außerhalb des Wagen mittels eines regelbaren Netzmittelzumischers aus der Brandschutztechnik in die C-Leitung zum Wagen dosiert.
 
     
 
 
     
  Die Versorgung des Küchenwagens mit Elektroenergie ist aus einem externen Stromnetz über einen Elektranten oder über die Zugsammelschiene vom Maschinenwagen aus möglich. Zur Nachladung der Batterien für die Notstromversorgung besitzt der Küchenwagen ein eigenes, unter dem Wagenboden angebrachtes Ladegerät.  
     
  Der Dampfbedarf des Küchenwagens kann über die Heizleitung des Zuges entweder von einem Triebfahrzeug mit Dampfheizeinrichtung, von den Heizwagen aus oder mittels des Niederdruckdampferzeugers im Küchenwagen erfolgen.
Der Küchenbereich hat folgende Dampfverbräuche:
300-Liter-Dampfkochkessel und 300-Liter-Elektro-Dampf-Kochkessel je 95 kg/h und
die Heizkörper im Küchenwagen, Heizschlangen zur Wassererwärmung und Trockenschrank in Summe 30 kg/h
Das anfallende Kondensat wird gesammelt und dem Heizkreis wieder zugeführt.
Der maximale Betriebsdruck des Dampfsystems liegt bei 0,5 bar (Überdruck), die Kochkessel dürfen mit maximal 0,4 bar Überdruck betrieben werden. Eine automatisch wirkende Schutzeinrichtung, die bei zu niedrigem Wasserstand im Dampferzeuger diesen automatisch außer Betrieb setzt, ist nicht vorgesehen. Als 2. Speiseeinrichtung steht neben der eigentlichen elektrischen Kesselspeisepumpe eine manuelle Handflügelpumpe zur Verfügung. Für die Bedienung der Dampferzeugeranlage muss der Kesselwärter mindestens im Besitz einer Berechtigung als Niederdruckheizer sein – der Kesselwärter eines K-Zuges wurde von einem naheliegenden Bahnbetriebswerk (also von der HVM) gestellt und hatte dann natürlich eine Ausbildung zum Dampflokheizer oder war geprüfter Tf für Dampflokomotiven.
 
     
 
 
     
 
 
 
Niederdruck-Dampfkessel Pzul = 0,5 bar(Ü)
 
     
 
 
 
Manostatbalken am Dampfkessel
 
     
 
 
 
hydraulischer Dampfdruckregler (ohne Hilfsenergie)
 
     
  Da das Heizungsystem im Gegensatz zu den übrigen Neubau-K-Zug-Stammwagen nicht als frostsichere Warmwasserheizung betrieben wird, sondern mit Sattdampf arbeitet, muss das gesamte Dampf-, Kondensat und Heizsystem bei Frostgefahr entwässert und entleert werden.
Sowohl das Dampf-/Kondensatsystem und auch das Frischwassersystem sind sehr aufwendige und vielteilige Systeme mit vielen kleinen Baugruppen und einer Vielzahl von einzelnen Funktionalitäten. Gemessen an dem automatisierungstechnischen Aufwand, den man in der heutigen Zeit für solche Systeme treiben würde, fällt auf, dass "Automatisierung" überhaupt nicht stattfindet und alle Komponenten per Handeingriff gesteuert bzw. geregelt werden mussten - nach dem Motto "was nicht vorhanden ist, kann auch nicht ausfallen". Was freilich nicht ausfallen durfte, war der Mensch, der die Systeme bedienen musste. Ein Dampferzeuger ohne automatisch wirkende Wassermangelsicherung ist selbst bei einem Niederdruck-Dampfkessel, der aufgrund seiner lange zurückliegenden Inbetriebnahmeprüfung Bestandsschutz genießen würde, nicht mehr denkbar. Aus genau diesem Grund wäre die Wiedererlangung einer Betriebsgenehmigung für einen solchen Dampferzeuge ohne Nachrüstung eines Mindestmaßes an Sicherheitstechnik völlig undenkbar.
 
     
 
 
     
 
 
 
 
 
99-32 262-9 (ex K-6) in Wolkenstein
 
     
 
 
 
99-32 663-8 vom ex K-9 in jämmerlichem Zustand in Stassfurt - nicht nur wegen der Graffitties.
 
     
 

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©2018 Burkhardt Köhler